Gespräch mit Oliver Schubert – Rotorflug Kiel

Sein Beruf steht auf der Wunschliste kleiner Jungs ganz oben:
Hubschrauberpilot!

Oliver Schubert, 48 Jahre alt, fliegt seinen Bell 206 (JET–RANGER) über 6000 Stunden unfallfrei. Eine Urkunde des Herstellers Bell Helicopter, die in einem schlichten Rahmen an einer Wand seines Büros hängt, bestätigt die ersten 3000 Stunden, aber der Stand ist schon recht alt.

Dort treffe ich ihn. Er sitzt hinter seinem aufgeräumten Schreibtisch.

Gelernt hat Schubert das Fliegen bei der Bundeswehr. Diese schickte ihn nach Amerika.
Er lernte es aber nicht von den Deutschen, wie er betont, sondern von der US Navy. Er war Marineflieger und flog den auf Fregatten stationierten Bordhubschrauber Sea Lynx.

Die unsichere Zukunft zerrt an ihm.

Oliver Schubert kennt sich auf dem Flugplatz Kiel-Holtenau aus. Als er 2001 hierher kam und die Leitung der hiesigen Station für die ROTORFLUG GmbH übernahm, ahnte er nicht, was das bedeuten würde.

„Die ersten fünf Jahre arbeitete ich von früh bis spät“, sagt er und verweist wenig später auf die jahrelange Ungewissheit, ob der Platz bestehen bleibt oder geschlossen werden soll. Die unsichere Zukunft zerrt an ihm.

Sein Büro ist kühl, ich ziehe meine Jacke nach einiger Zeit wieder an.
Vor die Heizkörper wurden von dem Platzbetreiber kleinere Elektroheizungen gehängt. Die ursprüngliche Heizungsanlage wäre zu ineffizient, hieß es.
Nun friert Oliver Schubert in der ersten Stunde seines Arbeitsalltags, bis der Raum einigermaßen warm ist. So stellt sich ein kleiner Junge den aufregenden Arbeitsplatz eines Piloten nicht vor.

„Ich fliege für die führenden Industrieunternehmen und Werften Kiels und Umgebung, sowie für Institutionen des öffentlichen Rechts, für die Film– und Fotobranche und auch für Privatpersonen“, erklärt er.


„Hubschrauber sind im Verhältnis zu Flugzeugen langsam und haben deutlich höhere Betriebskosten. Wenn ich nicht hier am Platz stationiert bin, lohnt es sich für diese Nutzer nicht mehr. Die Aufgaben würden nicht durch zum Beispiel in Hamburg beheimatete Hubschrauber erledigt werden, sondern schlichtweg nicht durchgeführt werden“, erläutert er zum Verständnis weiter.

„Ich fliege für die führenden Industrieunternehmen und Werften Kiels und Umgebung“

Wir reden an diesem letzten Januartag eineinhalb Stunden über die Zukunft des Flughafens. Rechnen kann der Diplom-Ingenieur, das merkt man schnell.


Er berechnet die Effizienz von Windkraftanlagen (er besaß bis 2010 selbst ein 70 Meter hohes Windrad) genauso schlüssig, wie die betriebswirtschaftliche Perspektive des Platzes, von und mit dem er lebt.

Oliver Schubert lobt die anderen Flugunternehmer, die hier ansässig sind. Er kennt Ihre täglichen Kämpfe ums Überleben und schätzt sie menschlich wie unternehmerisch aufrichtig.

Was er sich wünscht, frage ich zum Ende des Gesprächs?

„Eine klare Entscheidung für den Flughafen“, antwortet er sofort.

Dann folgen noch einige Sätze, von denen mich der erste tatsächlich überrascht:

„Ich teile seit Jahren viele Positionen grüner Politik. Aber die Art, wie die Kieler Grünen den Menschen hier am Platz – gegen den Willen der Rathausmehrheit – ihre Lebensgrundlagen entziehen, das ist schwer zu ertragen.“

„Gerne biete ich mich für kontroverse Diskussionen mit jedem Gegner und Befürworter an“, sagt Oliver Schubert.

„Der Fokus sollte immer darauf liegen, fair und ehrlich die Vorteile und Nachteile einer Schließung zu diskutieren.
Wer einseitig informiert, einseitig Emotionen nutzt, begibt sich auf das Niveau von Populisten, was einer Partei wie den Grünen nicht gut zu Gesicht steht.“

 

„Last uns Reden und Diskutieren!  Die endgültige Entscheidung sollte nicht nur von mündigen, sondern vor allem von gut informierten Bürgern getroffen werden.“

Oliver Schubert

Als ich gehe, ist es dunkel.
Bei ROTORFLUG brennt noch Licht.

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